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Das Ergebnis wurde anhand der exemplarisch ausgewählten Textstellen (500 bzw. 507 Wörter) erarbeitet. Der hohe Anteil der ein bzw. zweisilbigen Wörter scheint zunächst einen Beleg für qualitativ minderwertige Sprache zu liefern, jedoch sollte man berücksichtigen, dass die Sprache des Comics in Form eines niedergeschriebenen Dialoges vorliegt. Geht man davon aus, dass der alltagssprachliche Dialog durch "spontan" geäußerte Sprache geprägt ist, könnte man dem Comic eine relative Authentizität beimessen. Die Authentizität liegt vermutlich in der Verwendung der kurzsilbigen Wörter, die kennzeichnend für die spontane Satzbildung im realen Dialog ist. 5. Vollständige Sätze versus unvollständige SätzeDie Satzanalyse unterwirft sich einem bestimmten Kriterienkatalog, der an dieser Stelle zuerst definiert wird, um die Ergebnisse nachvollziehbar zu machen. Der Katalog definiert den Satz, das Subjekt, das Prädikat, das Adjektiv und die Ellipse. Der Satz stellt einen grammatischen Zusammenhang her, mit dem es möglich ist aus einzelnen Wörtern einen Sachverhalt zu erschließen. Man unterscheidet die Sätze nach: a) einfach, b) komplex und c) erweitert. Ein einfacher Satz liegt dann vor, wenn man mindestens ein Subjekt und ein Prädikat findet. Ein komplexer Satz ist aus einfachen Sätzen zusammengesetzt. Diese Untersuchung beschränkt sich auf einfache und erweiterte Sätze. Einfache Sätze sind Satzgebilde, in denen man nur ein Subjekt und ein Prädikat vorfindet, denen maximal Attribute, adverbielle Bestimmungen oder ähnliches hinzugefügt sind.(4) Ein Beispiel für einen einfachen Satz wäre: "Ich warte." Erweiterte Sätze sind demzufolge Sätze, die darüber hinaus weitere Satzelemente enthalten. Z.B.: "Mein Auto ist vielleicht nicht schön, aber dafür zuverlässig!" Diese beiden Satzarten sind Bestandteile der Gruppe der vollständigen Sätze. Die unvollständigen Sätze gliedern sich in a) abgebrochene Sätze, b) Ellipsen und c) Sätze, in denen Subjekt oder Prädikat fehlen. Unter abgebrochenen Sätzen versteht man Satzgebilde, die nicht durch ein Ausrufe- oder Fragezeichen oder durch einen Punkt beendet werden.(5) Beispiel: "Gesagt, getan..." Eine Ellipse ist eine Aussparung von Sprachelementen. Es gibt verschiedene Arten von Ellipsen, z.B. die Koordinations-Reduktion. Hierbei wird identisches Sprachmaterial ausgelassen. Ein Beispiel: Sie trank Kakao und er (trank) Kaffee. Eine zweite Variante der Ellipse ist die Lexikalische Ellipse. Sie kann definit (Sie liest gerade (irgendwas).) oder indefinit (Julia beichtete endlich (etwas, das aus dem Kontext bekannt ist).) sein. Ellipsen findet man auch bei Frage- und Antwortpaaren. Beispiel: " Wer hat gestern gearbeitet?" " Julia (hat gestern gearbeitet)."(6) Neben diesen Aussparungen von Sprachelementen lässt sich im Comic eine weitere Form der Ellipse erkennen. Es handelt sich um Sätze, in denen das Subjekt und/oder das Prädikat fehlen.(7) Das Subjekt bildet mit dem Prädikat den Kern des Satzes und bezieht sich auf die im Prädikat gemachte Aussage. Die Funktion des Subjekts nimmt das Substantiv, oder auch Nomen genannt, ein. Das Substantiv bezeichnet Lebewesen, Dinge oder abstrakte Vorstellungen. Das Prädikat bildet die Satzaussage über den Satzgegenstand. Diese Stelle wird durch das Verb ausgefüllt. Das Verb steht für Vorgänge, Zustände oder Handlungen. Insgesamt formen diese Satzelemente wesentlich die Sprache. Die folgende Übersicht gibt Aufschluss über das Verhältnis zwischen vollständigen und unvollständigen Sätzen.
Diagramm Von den insgesamt 86 ausgewählten Sätzen der Geschichte "Traugott Taugerichs" sind 41 vollständige Sätze, die sich in 9 einfache und 32 erweiterte Sätze unterteilen lassen. Die Anzahl der unvollständigen Sätze beläuft sich auf 45, die sich in 6 abgebrochene Sätze, 26 Ellipsen und 13 Sätze, in denen das Subjekt/Prädikat fehlen, untergliedern. Ähnlich verhält sich der Aufbau der Syntax im Comic "Rennfahrer wider Willen":
Diagramm Das Verhältnis der Sätze beziffert sich auf 49 vollständige und 37 unvollständige Sätze. Die 49 Satzgebilde bestehen aus 46 erweiterten und 3 einfachen Sätze. Die unvollständigen Sätze ordnen sich in 9 abgebrochene Satzgefüge, 20 Ellipsen und 8 Sätze, in denen Subjekt/Prädikat fehlen. Die Analyse konzentriert sich im Wesentlichen auf die unvollständigen Sätze, die für den Charakter der Comics interessant sind. Besonders auffällig sind die häufig verwendeten Ellipsen. Ihr Gebrauch erfolgt überwiegend als Ausrufe (z.B.: Igitt!, Jahuu!, Seufz!), Aufforderungen (z.B.: Halt, dageblieben!, Sofort anhalten!, Weg da!) und kommentierende Überleitungen zwischen den Bildern (z.B.: Und vor Ort..., Bald..., Und so...). Sie variieren in ihrem Auftreten zwischen einem und mehreren Wörtern. Die Ellipsen prägen durch ihren übermäßigen Gebrauch den Dialogcharakter des Comics. Insgesamt bewirken die unvollständigen Sätze einen stockenden und abgehackten Lesefluß bzw. Textfluß. 6. WortuntersuchungNachdem die Analyse der Sätze abgeschlossen ist, folgt nun die Untersuchung der einzelnen Satzelemente. Die Betrachtung der Wortarten richtet sich konkret auf Verben, Substantive und Adjektive.
Trotz der hohen Anzahl an "Ein-Wort-Sätzen", die meistens als Ausrufe zu identifizieren sind, weist der Korpus einen hohen Anteil an Verben auf. Erst die Verben sorgen für einen Sinngehalt der Sätze und bringen die Handlung voran. Das Verb, das immer eine Handlung ausdrückt, hat zur Folge, dass die Sprache lebendig wird und einen mitreißenden Effekt für den Leser hat. Wie schon beschrieben, treiben sie die Handlung voran deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sie den größten Anteil im Text einnehmen. Außerdem befinden sich die Verben in der Gegenwartsform und werden nur selten in ein anderes Tempus gesetzt. Durch die Verwendung des Indikativs ist es nur möglich, den konkreten Moment und nicht die Vergangenheit oder die Zukunft zu verdeutlichen. Der Comic stellt folglich nur eine kurze Zeitspanne dar. Die Adjektive werden häufig zur Ausschmückung benutzt, allerdings sind sie in diesem Fall eher seltener zufinden. Ihre Aufgabe beschränkt sich darauf, den Substantiven mehr Ausdruck zu verleihen. Die Substantive bilden die zweithäufigste Wortart, in der auch die Eigennamen enthalten sind. Das Substantiv verhält sich passiv und ordnet sich dem vom Verb geschaffenen Aktionsmoment unter. Als besonderes Merkmal bleibt festzuhalten, dass die Substantive für sinnlich erlebbar Gegenstände stehen. Die Satzelemente sind genau platziert, ermöglichen die Wahrung kurzer Sätze und verhindern ausschweifende Satzkonstruktionen. Der Sachgehalt wird minimiert und konkret dargestellt. 7. InterjektionenDie wohl bekanntesten und typischen Merkmale eines Comics sind die Interjektionen. Sie sind eine "Gruppe von Wörtern, die zum Ausdruck von Empfindungen, Flüchen und Verwünschungen sowie zur Kontaktaufnahme dienen (Au! Verflixt! Hallo!). Ihr Status als Wortart ist umstritten, da Interjektionen sich morphologisch, syntaktisch und semantisch auffällig verhalten: sie sind formal unveränderlich, stehen syntaktisch außerhalb des Satzzusammenhanges und haben (im strengen Sinne) keine lexikalische Bedeutung. Häufig haben Interjektionen lautmalenden Charakter, wie z. B. Brr! Hoppla! Peng! Papperlapapp!"(8) Außerdem unterstützen sie meistens die in einem Bild ablaufende Handlung. Diese spezielle Wortgruppe wird im gesamten Comictext analysiert, um die Relevanz für den Stil des Textes herauszufiltern. Die Überprüfung gesamten Korpus ergab:
Der Anteil ist gemessen am vollständigen Wortvolumen überraschend gering. Die niedrige Anzahl kann aber nicht als stilbestimmend angesehen werden. Es stellt sich an dieser Stelle natürlich die Frage nach ihrer Notwendigkeit. Auffällig ist die Vielzahl der auftauchenden Variationen der lautmalenden Wörter. Beispiel:
Bei genauer Betrachtung der Sprachverwendung Jugendlicher lässt sich feststellen, dass Interjektion durchaus Einfluß auf das Kommunikationsverhalten haben. Oftmals werden bei Erzählungen ausschmückende Wörter (z.B.: Boing, Kawumm, Bumm, Peng) hinzugefügt. Es ist im Rahmen dieser Untersuchung nicht eindeutig zu klären, ob Comics diesen Zustand begünstigt haben oder nicht. 8. FremdwörterDie Sprache des Comics auf ihre Unzulänglichkeit hin zu untersuchen, ist nur ein Teil der Analyse. Gleichzeitig jedoch ist die Frage interessant, ob der Comic neben lautmalenden Wörtern und Umgangssprache auch gehobene Sprache und Fremdwörter aufweist. Allerdings ist der Übergang vom Fremdwort zum alltäglich gebrauchten Wort fließend. Aus diesem Grund ist es schwierig, genau festzustellen, ob es sich bei einem Wort um ein Fremdwort handelt oder eher nicht. Eine Methode, um dies festzustellen, ist, das jeweilige Wort in einem Fremdwörterlexikon nachzuschlagen und es somit als Fremdwort zu definieren. Jedoch wird man die meisten Wörter auch in einem Wörterbuch finden, was dann zeigt, dass das jeweilige Wort in den normalen Sprachgebrauch übergegangen ist. Auch durch den Einfluß neuer Medien werden Fremdwörter zunehmend in den Alltagsgebrauch integriert. Zudem stellt sich das Problem des Rezipientenalters: Nicht jedes Wort, das ein Erwachsener in seinem alltäglichen Sprachgebrauch verwendet, ist unbedingt für ein Kind oder einen Jugendlichen verständlich. Da sich der Rezipientenkreis für Comics in den letzten Jahren stark erweitert hat, ist es sehr schwierig ein Wort in die Kategorie "Fremdwort" einzuordnen. Diese Untersuchung beschränkt sich auf ein Rezipientenalter bis maximal zwölf Jahren. Als Fremdwort werden Wörter definiert, die für junge Leser schwer oder sogar gar nicht verständlich sind und im günstigen Fall den Wortschatz erweitern. Neben dieser Art von Fremdwörtern gibt es noch Fachbegriffe. Unter einem Fachbegriff wird in dieser Analyse ein Wort verstanden, das nur in einem bestimmten Kontext verwendet wird, wie z.B. das Wort " Dezimallogarithmus" nur in der Mathematik und das Wort " Neutronenstrahl" in der Physik. Darüber hinaus lassen sich im Comic auch Wörter aus einer fremdsprachliche Zitate, wie z.B. " voudrais", aus dem Französischen, " avanti" aus dem Italienischen oder "sound" aus dem Englischen finden. Der Anteil der Fremdwörter ist im gesamten Korpus untersucht worden und beträgt weniger als 1% der gesamten Wortzahl. Allerdings zählt der Comic zur Unterhaltungslektüre, und somit ist es nicht sein erstes Ziel in irgendeiner Form zu belehren oder den Wortschatz zu erweitern. Dennoch könnte die Verwendung von Fremdwörtern die Rezipienten dazu animieren, sich deren Bedeutung klarzumachen. Darüber hinaus werden diese Begriffe auch im Comic selber erläutert. Insgesamt weist der Comic neben eher reduzierter Sprache auch Anteile einer "gehobeneren Sprache" auf. Man kann also nicht sagen, dass der Comic durchweg in einer qualitativ minderwertigen Sprache verfasst ist; bis zu einer bestimmten Altersgrenze kann er den Wortschatz sogar erweitern. 9. Moderne SpracheAuch Comics unterliegen dem Sprachwandel. Aus diesem Grund richtet sich das Augenmerk auch auf die "moderne Umgangssprache". Sie definiert sich im Einzelnen über Wörter und Redewendungen, die zeittypisch für eine bestimmte Gesellschaft sind. Sie sind übersteigert formulierte Synonyme für einen Ursprungsausdruck. Oftmals sind es bereits existierende Wörter, die in einem anderen Kontext einen neuen Sinn erhalten. Wie auch schon die Interjektionen und Fremdwörter werden diese Wörter im gesamten Korpus untersucht. In der älteren Ausgabe von 1977 beläuft sich der Anteil solcher Ausdrücke auf etwa 0,1%, während sich die Anzahl in dem jüngeren Band fast verdoppelt hat. Offensichtlich unterliegt die Verwendung der Ausdrücke einer steigenden Tendenz. Es bleibt abzuwarten, inwiefern die Tendenz stagniert oder weiter ansteigen wird. Beispiele: Einleitung Auto: Karre, Schlitten, Blechwanne, Qualmkiste Arbeit: Maloche Laufen: Latschen Schlafen: Pennen Fahren: Flitzen, Pfeffern, Donnern Redewendungen: "Das ist mir Schnuppe!", "Zisch ab, Du Träne!" 10. Zusammenfassung der UntersuchungsergebnisseAn dieser Stelle werden die wesentlichen Bewertungskriterien nochmals übersichtlich hervorgehoben. An Hand dieser Charakteristika wird anschließend eine Bewertung der Qualität der Comicsprache erfolgen. Satzlänge Es werden durchweg kurze Sätze verwendet. Lange Sätze bilden eher die Ausnahme. Silbenzahl Häufig werden ein bis zweisilbrige Wörter benutzt. Im Zusammenhang mit der kurzen Satzlänge beschleunigen sie den Lesefluss. Satzvollständigkeit Bemerkenswert ist die Vielzahl unvollständiger Sätze. Dabei handelt es sich überwiegend um Ellipsen, gefolgt von Sätzen, in denen das Subjekt / Prädikat fehlt, und teilweise abgebrochenen Sätzen. Sie lassen Text sprunghaft erscheinen. Wortuntersuchung Die Verben stellen den größten Anteil im Text. Die Handlung wird durch ihren Einsatz vorangetrieben. Sie stehen meistens im Indikativ. Die Adjektive sind seltener und dienen der Unterstützung der Substantive. Die Substantive wiederum ordnen sich dem vom Verb geschaffenen Aktionsmoment unter. Interjektionen Auffallend ist die doch geringe Zahl der lautmalenden Wörter. Sie variieren häufig in ihrer Erscheinungsform. Fremdwörter Der Gebrauch von Fremdwörtern hält sich in Grenzen. Moderne Umgangssprache Sie markiert den zeitgenössischen Wandel der Sprache. Die Summe der untersuchten Eigenschaften formen den Charakter des Comics. Die eingangs gestellte Frage nach der reduzierten oder qualitativ minderwertigen Sprache ist nicht eindeutig zu beantworten. Um diese Frage zu klären, wären mehrere Faktoren zu berücksichtigen. Der Comic muss nämlich als eigenständige Literaturgattung gesehen werden. Er unterscheidet sich deutlich von anderer Literatur wie z.B. Belletristik oder Sachbüchern. Das geschieht nicht zuletzt durch das Zusammenwirken von Bild und Text. Oftmals werden durch die visuelle Darstellung der Handlung weitere schriftliche Kommentierungen hinfällig. Darüber hinaus stehen die häufigen Dialoge auch als wesentliches Merkmal für diese besondere Art der Literatur. Der Comic will die Form der alltäglichen gesprochenen Sprache nachahmen; kennzeichnend dafür sind die vielen kurzen Sätze, die häufigen Ellipsen und die Kurzsilbrigkeit der Wörter allesamt Eigenschaften gesprochener Sprache. Man muss den Kritikern des Comic vorhalten, dass sich der Einsatz von Interjektionen und zeitgenössischen Ausdrücken durchaus im Rahmen hält. Der Gebrauch von Fremdwörtern ist zudem ebenfalls spärlich gesät. Insgesamt sollte man die Sprache eher nüchtern beurteilen. Sie entspricht dem Sinn und Zweck, den Rezipienten zu unterhalten. Der Rezipientenkreis der Donald Duck-Comics beschränkt sich überwiegend auf jüngere Leser, deren Sprache sich noch in der Entwicklung befindet. Übermäßiger Konsum birgt die Gefahr, dass sich jugendliche Leser an die simple Sprache gewöhnen und sie internalisieren. Es sollte im Bewusstsein bleiben, dass diese Form der Literatur nicht als Ersatz "normaler" Kinder- und Jugendliteratur anzusehen ist. Ist man sich dieser Einschränkung bewusst, sollte der Konsum von Comics die Qualität des Spracherwerbs junger Lesers nicht negativ beeinflussen. 11. Literaturverzeichnis
Endnoten
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Letzte Aktualisierung: 07.08.2000
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