30th International LAUD Symposium: Empowerment through Language

Steinert, Christine; Trappmann, Gabriele (2004)

30th International LAUD Symposium
University of Koblenz-Landau at Landau (Germany)
12-19 April 2004

Anlässlich des 30. LAUD Symposiums reisten zum dritten Mal Linguisten aus aller Welt nach Landau in der Pfalz, um dort im Parkhotel gemeinsam am Thema Empowerment through Language zu arbeiten.
Die ersten der rund achtzig Teilnehmer fanden sich bereits am Sonntagabend zum gemeinsamen Essen ein. Am Montagvormittag begann das Programm mit einer Begrüßung durch den Organisator Prof. Dr. Martin Pütz (Landau). Daran schlossen sich die Eröffnungsreden von Prof. Dr. Josef Klein, Rektor der Universität Koblenz-Landau, und Prof. Dr. Inge Pohl, Dekanin der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, an.

In den folgenden vier Tagen diskutierten Linguisten aus 23 Ländern aller fünf Kontinente Fragestellungen und Beiträge zum Thema Machtaneignung über Sprache.

Die Referenten beleuchteten die soziolinguistische Situation durch Sprache benachteiligter Gruppen vor unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Als besonders aktuell wurden hierbei die Folgen einer diskriminierenden Sprachpolitik in afrikanischen Ländern aufgezeigt. Die Auswirkungen der soziolinguistischen und soziopolitischen Bedingungen auf die Unterrichtssituation und den Lebensweg der Betroffenen stand als weiterer Aspekt zur Diskussion. Es wurde nach Lösungsansätzen dafür gesucht, wie Sprache zu einem Mittel des Machterwerbs dieser Benachteiligten werden kann.

Die Beiträge wurden folgenden Bereichen zugeordnet:

Sektion A: In dieser Gruppe wurden alle Vorträge zusammengefasst, die sich mit der soziolinguistischen Situation von Sprachgemeinschaften beschäftigten. Besonders am Beispiel Afrikas wurde auf die Probleme aufmerksam gemacht, die durch den Gebrauch einer anderen Sprache als der Muttersprache im Unterricht entstehen.

Sektion B: Hier wurden soziopolitische Faktoren diskutiert, die dazu führen, dass Menschen aufgrund ihrer Sprache vom Wissens- und Fertigkeitserwerb ausgeschlossen werden.

Sektion C umfasste Beiträge, die sich mit Lehr- und Lernbedingungen auseinandersetzen, in denen oben genannte Faktoren den Schulalltag bestimmen.

Eine Übersicht über die Plenarvorträge soll exemplarisch zeigen, wie die genannten Aspekte in über 50 Vorträgen vertieft wurden.

Key note speaker JOSHUA FISHMAN (Yeshiva University & Stanford University) thematisierte das Verhältnis von Sprache und Macht und wies auf die unzulängliche Definition des Begriffs power hin. Er verdeutlichte die Bedeutung einer solchen Auseinandersetzung für die Soziolinguistik.

NEVILLE ALEXANDER (University of Cape Town), der an der Seite von Nelson Mandela jahrelang gegen die Apartheid gekämpft hatte, referierte vor diesem Hintergrund über die südafrikanische Sprachpolitik.

ULRICH AMMON (Universität Duisburg-Essen, Campus Duisburg) problematisierte die sprachpolitische Situation innerhalb der Europäischen Union im Hinblick auf den steigenden Einfluss des Englischen zum Zweck der politischen Verständigung.

HERMANN BATIBO (University of Botswana) zeigte anhand von Studien die Entwicklung der Sprachsituation in Botswana und Tansania auf. Dabei problematisierte er insbesondere den nicht-muttersprachlichen Basisunterricht, der weit reichende Auswirkungen auf die Bildungsbiografie und den Lebensweg der Betroffenen hat.

MICHAEL CLYNE (University of Melbourne) referierte am Beispiel der australischen Sprachpolitik die Machtaneignung durch Sprache. Als positiv betrachtete er den nationalen Reichtum, den Minderheitssprachen von Immigranten durch ihre linguistische Vielfalt hervorgebracht haben.

FLORIAN COULMAS (Universität Duisburg-Essen, Campus Duisburg) dachte darüber nach, wie groß die Bedeutung sozialer Normen ist. Außerdem diskutierte er, wie Normen aufrechterhalten werden und welchen Einfluss eine individuelle Sprachwahl auf Sprachwandel hat.

RENÉ DIRVEN (Universität Duisburg-Essen, Campus Duisburg) und FRANK POLZENHAGEN (Humboldt Universität Berlin) beschrieben unterschiedliche Modelle möglicher Sprachpolitik mit Schwerpunkt auf der nationalen Sprache gegenüber einer solchen zur Förderung und Stärkung von Minderheiten-Sprachen.

JOHN EDWARDS (St. Francis Xavier University) zeigte, dass die Beschäftigung mit empowerment vielfältige Betrachtungsweisen erfordert, die eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Macht und Sprache bedingen.

OFELIA GARCÍA (Columbia University) analysierte die Sprachsituation von englisch- und spanisch sprechenden bilingualen Migranten in New York. Des Weiteren untersuchte sie die Rolle der Institution Schule als Repräsentant der Sprachpolitik in den USA.

KARSTEN LEGÈRE (University of Göteborg) stellte die Entwicklung von Swahili in Tansania zur Lingua Franca vor und zeigte auch aktuelle Tendenzen der Sprachentwicklung in Bezug auf die englische Sprache auf.

CAROL MYERS-SCOTTON (University of South Carolina) stellte verschiedene Möglichkeiten des code-switchings und deren Anwendung in unterschiedlichen Sprechakten vor. Sie beschrieb unterschiedliche Möglichkeiten von Machtaneignung, die sich in bestimmten Kontexten ergeben können.

J.V. NEUSTUPNÝ (Monash University) zeigte am Beispiel Japans auf, wie Sprachaneignung in der Hochschulausbildung mit Machtaneignung verbunden ist. Er problematisierte die Messbarkeit beider Vorgänge in Bezug auf Sprachenplanung.

BERNARD SPOLSKY (Bar-Ilan University) wies auf den eklatanten Unterschied in Theorie und Praxis bezüglich eines muttersprachlichen Basisunterrichts hin und suchte nach politischen Erklärungsansätzen dafür.

ALBERT WEIDEMAN (University of Pretoria) problematisierte die Auswirkungen der englischen Sprache als language of instruction auf akademische Sprachkurse (literacy courses) in Südafrika und stellte Möglichkeiten zur Verbesserung und Entwicklung solcher Sprachkurse vor.

Die gelöste Atmosphäre des Symposiums konnte wieder einmal dazu beitragen, dass Menschen aus ganz unterschiedlichen Regionen der Welt aufeinander zu gehen und produktiv miteinander arbeiten konnten. Dies ermöglichten Prof. Dr. Martin Pütz und sein Landauer Organisationsteam, die für einen reibungslosen Ablauf und das Wohlbefinden aller Teilnehmer sorgten.

Den geselligen Höhepunkt des Symposiums bildete die traditionelle pfälzische Weinprobe, die in diesem Jahr durch afrikanische Gesangsvorführungen einiger Teilnehmer untermalt wurde und so für alle zu einem unvergesslichen Ereignis wurde.