Linguistisches Kolloqium (Campus Essen)

Ulrike Haß - Ulrich Schmitz - Bernhard Schröder - Albert Bremerich-Vos - Evelyn Ziegler

Dienstags, 18-20 Uhr
Universität Duisburg-Essen, R 12 S 03 H 20

Das Programm des Linguistischen Kolloquiums im Sommersemseter 2012 finden Sie als pdf hier.

 

24.04.2012   

Ina Bornkessel-Schlesewsky (Philipps-Universität Marburg), Matthias Schlesewsky (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
Warum sich Deutsch und Chinesisch ähneln: Eine neurokognitive Perspektive auf sprachübergreifende Gemeinsamkeiten und Unterschiede

8.05.2012   

Stephan Elspaß (Universität Augsburg)
"Ja wo schreibt man denn sowas?" Areale Variation in der Grammatik des Deutschen

Das Thema „areale Variation in der Standardsprache“ hat sowohl in variations- als auch in korpuslinguistischen Ansätzen der Sprachwissenschaft in den letzten Jahren verstärkt Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Während jedoch regionale Gebrauchsstandards in der Lexik sowie in der Aussprache intensiv erforscht sind bzw. werden, ist die tatsächliche grammatische Variation im Standard und der standardnahen Alltagssprache bisher kaum zur Kenntnis genommen worden. Variation im Bereich der Grammatik wird entweder als sozial markiert betrachtet, oder sie wird pauschal einer „Grammatik der gesprochenen Sprache“ zugeschlagen (womit die Konstruktion einer Homogenität der Standardgrammatik nur auf ein anderes Medium verlagert wird). Im Vortrag wird zum einen – u. a. an Sprachkarten – ein Überblick über sozialschichten- und medienübergreifende areale Variation in der Grammatik des Standarddeutschen gegeben. Zum anderen wird an ausgewählten Beispielen zu zeigen versucht, welche Implikationen die gewonnenen Erkenntnisse für die Grammatikforschung, aber auch etwa für die Sprachdidaktik und für eine soziolinguistisch ausgerichtete Betrachtung der gegenwärtigen Sprachverhältnisse haben können.

15.05.2012

Ivan Vlassenko (Universität Bayreuth)
Sprache und HIV/AIDS. Darstellungsverfahren homosexueller HIV-infizierter Männer beim Sprechen über HIV/AIDS

Im Vortrag werde ich mein Dissertationsprojekt sowie die ersten Ergebnisse der empirischen Datenanalyse vorstellen. Den thematischen Fokus meiner Arbeit bilden Subjektive Krankheitstheorien (SKT), die im Rahmen des multidisziplinären Ansatzes Medizinische bzw. Gesundheitskommunikation auch Untersuchungsgegenstand der Linguistik sind (vgl. Brünner/Gülich 2002; Surmann 2005; Birkner 2006). Untersuchungsschwerpunkt meines Projekts und des Vortrages sind Darstellungsverfahren von Subjektiven Krankheitstheorien im Zusammenhang mit HIV/AIDS, die von Betroffenen beim Sprechen über ihr subjektives Erleben der HIV-Infektion und über Strategien der Krankheitsverarbeitung während eines narrativen Interviews eingesetzt werden. Nach einem kurzen theoretisch-methodischen Überblick wird im Vortrag eine exemplarische Analyse von kommunikativ-interaktiven Darstellungsverfahren vorgestellt. Bei der Analyse wird vor allem folgenden Fragen nachgegangen: Welche mentalen Repräsentationen und Subjektiven Krankheitstheorien werden von Betroffenen konstruiert? Wie wird das subjektive Krankheitsverständnis von Betroffenen ausgedrückt? Welche linguistischen und nonverbalen (z.B. Gestik) Darstellungsverfahren werden verwendet, wenn infizierte homosexuelle Männer über die/ihre Infektion sprechen?
Empirische Grundlage bilden dabei Audio- oder Videoaufzeichnungen und Transkriptionen von narrativen Interviews mit Betroffenen. 

22.05.2012

Heidrun Kämper (Institut für Deutsche Sprache, Mannheim)
'In jeder Stunde Demokratie!' Diskursgeschichte - Sprachgeschichte - Demokratiegeschichte des 20. Jahrhunderts als linguistisches Projekt

5.06.2012

Raphael Berthele (Universität Freiburg/Fribourg, Schweiz))
Mehrsprachigkeit, sprachliche Heterogenität und schulische Beurteilung: Theoretische Überlegungen und empirische Evidenz

Sprachliche Heterogenität ist nichts Neues in westeuropäischen Klassenzimmern. Die Stelle im System, die früher tendenziell Arbeiter- und Bauernkinder (d.h. Muttersprachlerinnen und Muttersprachler von potenziell stigmatisierte Soziolekten und Dialekten) eingenommen hatten, wird heute vermehrt von sogenannten Migrantenkindern besetzt.
In diesem Vortrag werden die konzeptuellen Muster herausgearbeitet, die für die Debatten rund um die Rolle von Sprache und Sprachkompetenzen als Ursache von Bildungsungleichheiten grundlegend waren und immer noch sind. Ausserdem wird empirische Evidenz aus verschiedenen Forschungsparadigmen präsentiert, die es erlaubt, die Effekte des Schülern zugeordneten Migrantenstatus auf schulische Leistungsbeurteilung zu verstehen. Besonderes Augenmerk soll dabei der Beurteilung von sprachlich gemischten Äusserungen gelten. Solche Mischphänomene sind ein Bereich, dem in der momentan vielerorts populären Mehrsprachigkeitsdidaktik besondere Aufmerksamkeit zukommt.


12.06.2012

Anne Betten (Universität Salzburg)
Vom Bildungsbürgerdeutsch zur Familiensprache. Interviews mit der 1. und 2. Generation deutschsprachiger Migranten in Israel

19.06.2012

Werner Holly (Technische Universität Chemnitz)
Vom Machen der Audiovisualität. In der Bildregie einer Polit-Talkshow

26.06.2012

Thomas Hanke (Universität Hamburg)
Language Resources für Deutsche Gebärdensprache

Deutsche Gebärdensprache (DGS) ist die "Muttersprache" für ungefähr 80000 Gehörlose in Deutschland. Ihre visuelle Modalität und das Fehlen eines etablierten Schriftsystems haben weitreichende Folgen für die Anwendbarkeit von Sprachtechnologien auf Gebärdensprachen. Viele Schritte in der Annotation von Korpora, die für Sprachen in der akustischen Modalität weitgehend automatisiert werden können, müssen für Gebärdensprachen höchst zeitaufwändig von Hand durchgeführt werden. Die in unseren aktuellen Projekten eingesetzen Verfahren der Bildverarbeitung und Visualisierung über Avatare sind lediglich die ersten Schritte in Richtung Automatisierung. In der ersten Phase des Projektes DGS-Korpus wurden in den vergangenen drei Jahren Datenerhebungen mit insgesamt 332 Informantinnen und Informanten durchgeführt. Die gut 750 Stunden Erhebungszeit wurden mit mehreren Kameras aufgezeichnet, so dass
jetzt über 7000 Stunden Video vorliegen und auf Annotation warten. Das daraus entstehende Korpus bildet die Basis für ein erstes empirisch abgesichertes Wörterbuch der DGS. Gleichzeitig ist eine solche Datenbasis aber eine unschätzbare Ressource für die linguistische Forschung zur DGS wie auch ein wichtiger Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes der Gebärdensprachgemeinschaft in Deutschland. Es ist uns daher ein wichtiges Anliegen, dass die Daten nicht nur für Lexikographen und Linguisten nutzbar werden, sondern auch für die Sprachgemeinschaft selbst. Dieses Ziel hatte natürlich auch erhebliche Auswirkungen auf die Datenerhebungsphase des Projektes, die im Zentrum des Vortrages stehen wird.

3.07.2012

Ludger Hoffmann (Technische Universität Dortmund)
Grammatik und Terminologie für die Schule - ein funktionaler Ansatz

Im Vortrag wird eine neue Grammatik vorgestellt, die grammatische Grundkenntnisse phänomenbezogen und an authentischen Sprachdaten vermitteln soll. Der Ansatz ist funktional-pragmatisch. Es werden an schwierigen Punkten (Determination, Präpositionen etc.) kontrastive Vergleiche, vorwiegend mit dem Türkischen, herangezogen, um den Blick aufs Deutsche zu schärfen und eine distanziert-analytische Haltung zu befördern. Lehrenden wie Studierenden des Lehramts Deutsch muss ein systematisches Wissen vermittelt werden, damit sie sachgerecht Grammatik unterrichten können. Notorisch schwierig ist die Frage nach einer für den Unterricht angemessenen Terminologie. Ausgehend von Überlegungen zum Stellenwert von Termini in der Wissenschaft und einer Kritik an dem aktuellen schulgrammatischen Begriffsnetz wird gezeigt, zu welchen terminologischen Lösungen man kommt, wenn man die Termini aus der analytischen Arbeit unter Prämissen der Grammatik heraus entwickelt.

10.07.2012

Öffentliche Antrittsvorlesung (im Glaspavillon)
Wolfgang Imo (Universität Duisburg-Essen)
Quasi eine Antrittsvorlesung...