Der Deutschunterricht 4/2005: Sehflächen lesenSchmitz, Ulrich; Renner, Ursula (Hrsg.) (2005)Seelze: Friedrich Verlag 2005.
Inhalt
Forum 71 ForschungsberichtMichael Baum Strenge Aufgaben und heitere Bilder? Probleme der Illustration von Lesebüchern 77 Unterrichtsanregungen Sascha Reuen Fotoromane im Deutschunterricht 85 Forschungsbericht Gisela Bürki Schriftliche Kommunikationsformen Von Zürcher Jugendlichen. Umfrage für eine Forschungsarbeit der Lehrerinnen- und Lehrerbildung Bern 95 Filmische Sehschule 96 Impressum – Rückschau – Vorschau Abstracts 06 Wortillustration oder Strukturillustration?Das Utrechter-Psalter als Bilderhandschrift Die Themenstellung dieses Heftes wird am Beispiel des Utrecht-Psalters aufgegriffen, der berühmten karolingischen Bilderhandschrift, die sich eine sehr schwierige Aufgabe stellt: die Psalmen, also den Texttypus Hymnus, zu illustrieren. Die Forschung nennt das angewandte Verfahren Wortillustration. Hier wird etwas anderes behauptet: Die Illustratoren haben mit festem Blick auf die Medien und Formate Buchseite, Text und Bild die Psalmen auf ihre strukturbildenden Angaben hin abgehorcht und ihre Bilder zu selbst tragenden Gefügen ausgebaut. Prof. Dr. Wolfgang Kemp, Hamburg 14 Fundstücke – zu W.G. Sebalds „Austerlitz“ W.G. Sebalds letzter Prosatext „Austerlitz“
(2001) führt nicht nur vor, wie Bilder als Bedingung der Möglichkeit von
Erzählen funktionieren, sondern auch, wie das Sehen oder Auffinden von Bildern
mit der Produktion von Bedeutung einhergeht. Bildmedialität steht bei Sebald im
Dienst einer Gedächtnis- und Erinnerungsarbeit, bei der Bilder „as a token of authenticity“
und bedeutungsvolle Fundstücke dergestalt miteinander in Beziehung treten, dass
Schauen und Lesen einander durchkreuzen, ablenken, steigern. Prof. Dr. Ursula Renner, Essen 25 Fotografie : Text. Die frühen visuell-poetischen Arbeiten von Jochen Gerz Die frühen visuell-poetischen Foto/Texte des deutschen Gegenwartskünstlers Jochen Gerz (geb. 1940) zeichnen sich durch irritierende intermediale Konstellationen von Bild und Text aus, die nicht in einem hierarchischen Verhältnis aufzulösen sind und unbestimmt zwischen Authentizität, Fiktionalität und Autoreflexivität changieren. Indem die Fotografien und Texte ihre diversen Bezugsmöglichkeiten immer wieder konterkarieren, korrumpieren sie das bedeutungsgenerierende Bestreben des Kunstbetrachters und sensibilisieren für ihre medialen Qualitäten. Dr. Des. Stefanie Kreuzer, Wuppertal 38 Bild-Sprach-Spiele. Anmerkungen zur
Einheit von Bild und Sprache An einer Reihe detailliert kommentierter Beispiele werden Einheit und Beziehungen von Bild und Sprache in Comics beschrieben. Dabei zeigt sich, dass Sprache in geschriebener Form im Comic vorhanden sein kann, aber nicht muss, außerdem jedoch auch unsichtbar als Steuerungs- und Deutungsmittel, als „Sprachdenken“ wirkt. Unterrichtshinweise schließen den Beitrag ab. Prof. Dr. Dietrich Grünewald, Koblenz 51 Sind Bilder Texte? Angesichts des wachsenden Interesses an Bild wie Text lohnt der Versuch einer genauen Verhältnisbestimmung beider. Der Artikel charakterisiert Bilder wie Texte begrifflich, erörtert Nähe und Differenz von Bild und Text und kommt zu einer negativen Antwort auf die im Titel gestellte Frage. Der Beitrag endet mit einem Plädoyer für eine fächerübergreifende Didaktik der Differenz von Bild und Text. Prof. Dr. Dr. H. C. Konrad Ehlich, München 61 Text-Bild-Kompositionen im Unterrichtsmaterial Neue Formen der Text-Bild-Komposition in den Medien verlangen produktive und rezeptive Kompetenzen im Umgang mit multikodalen Kommunikaten. Grundlage ist die Kenntnis der kognitiven Prozesse bei der Verarbeitung derartiger Sehflächen. Dazu dienen Befunden zum ersten Eindruck, zur Auswertung mit Blickbewegungen und zur begrifflichen Verarbeitung. Viele Prozesse lassen sich über die Gestaltung von Sprache, Bild und Typographie beeinflussen, In den Lese- und Arbeitsbüchern für den Unterricht finden zwar Bilder in verschiedenen Funktionen zunehmend Eingang, aber komplexe Text-Bild-Kompositionen, wie wir sie aus den Medien kennen, sind noch ausgespart. Prof. Steffen-Peter Ballstaedt, Gelsenkirchen |
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