Themen Lernsoftware Über LINSE Diskussionsforum LinseLinks - Die Linkdatenbank der LINSE
Sonntag, 06. März 2011
Themen

Sie finden in diesem Bereich Themenstichwörter zu Sprache und Sprachwissenschaft in alphabetischer Sortierung:

Rubriken

LINSE-Rubriken enthalten:

Deutsch fürs Leben. Was die Schule zu lehren vergaß Deutsch fürs Leben. Was die Schule zu lehren vergaß

Rezension: Deutsch fürs Leben. Was die Schule zu lehren vergaß

Schneider, Wolf

Reinbek bei Hamburg: rororo 1994. (40. — 50. Tausend Februar 1998)

Was tun, wenn man gelesen werden möchte? Diese Frage stellt der Bestseller-Autor Wolf Schneider gleich zu Anfang dieses Nachschlagewerkes. Und er gibt umfangreiche Tipps dafür, wie jeder interessant und lesenswert schreiben kann. Das Buch beginnt mit einer Einleitung, die die oben genannte Frage beantwortet. Vertiefend schließen sich sieben Kapitel an, in denen 50 praktische Regeln zusammengefasst sind. Ein Namen- und Sachregister gibt Schlagwörter an.

Wolf Schneider ist eine Instanz in Sachen Sprach- und Stillehre. Seit der Gründung der Hamburger Journalistenschule (1979) leitete der Erfolgsautor bis 1995 die Ausbildungsstätte. Der 75-Jährige war Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Washington, Chefredakteur der Welt, Moderator der NDR Talkshow, und in der Neuen Zürcher Zeitung erscheint regelmäßig eine Sprachkolumne. Schneider hat 15 Sachbücher geschrieben (darunter auch eines über die Geschichte der Stadt Essen). 1994 wurde er von der Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. mit dem "Medienpreis für Sprachkultur" ausgezeichnet.

In der Einleitung erklärt Schneider, was er dem Leser mit dieser Publikation vermitteln möchte: "Rezepte also werden hier angeboten für eine Sprache, die zugleich verständlich und attraktiv ist. (...) angereichert mit frischen Beispielen, Übungstexten und den jüngsten Erkenntnissen der Verständlichkeitsforscher." Und schon geht’s los.

Über die richtige Einstellung des Schreibers berichtet das erste Kapitel. Es folgt ein Kapitel über die richtigen Wörter und eins über den richtigen Satzbau. "Geize mit Wörtern und Silben" — "Streiche zwei von drei Adjektiven" — "Vermeide Modewörter und Klischees" — "Benenne die engste Einheit und suche Synonyme" — das sind nur einige Regeln, die Schneider seinen Lesern ans Herz legt. Im dritten Kapitel beschreibt er, wie man die deutsche Syntax überlistet und wie man Hauptsätze ausreizt. Nebensätze sollten vermieden werden. Sind sie dennoch einmal nötig, erklärt Schneider, wie sie einfach und problemlos eingefügt werden. "Zerschlage Nominalkonstruktionen" — "Ziehe beide Hälften des Verbums zusammen" — "Stelle Subjekt und Prädikat nebeneinander" — einige Regeln des dritten Abschnitts.

Kapitel vier erörtert die volle Klarheit, also die Semantik der Sätze und des Textes. Wolf Schneider rät von falschem Zwischensinn ab und gibt Hilfestellung zur richtigen Platzierung der Satzglieder. Die richtigen Lesehilfen werden in der nächsten Passage beschrieben: "Verwende alle sieben Satzzeichen und benütze Bindestriche" — zwei von vier Aufforderungen. Und da laut Autor zur Lesefreundlichkeit eines Textes auch die Typografie und das Layout zählen, gibt es ebenfalls noch Tipps zur Formatierung einer Buchstabenwüste. Texte reizen den Leser, wenn gute Metaphern eingebaut sind und Bewegung vermittelt wird. Aha-Erlebnisse etwa lockern den Text auf. Wie man mit Wörtern spielt, erklärt Wolf Schneider in Regel 41. Er erwähnt ernste Folgen der Ironie: "Naserümpfen und Verstimmung".

Der richtige Anfang wird im letzten Kapitel diskutiert. Sieben Regeln erleichtern dem Schreiber den Einstieg in seinen Text. Bekanntlich ist der erste Satz bzw. der erste Abschnitt eines Textes der schwierigste. Leser wollen schon zu Beginn gefesselt werden oder zumindest bereit sein, Zeit und Aufmerksamkeit in den ihnen vorliegenden Text zu investieren. Nur etwa 17 Sekunden bleiben dem Autor, das Interesse des Lesers zu wecken.

Das Buch "Deutsch fürs Leben" verdeutlicht die 50 Regeln an recht aktuellen Beispielen, meist aus tatsächlich veröffentlichten Artikeln bekannter Tageszeitungen. Und das macht die Analyse für den Leser abwechslungsreich.

Der Autor selbst wendete die 50 Regeln auch auf seinen eigenen Text an. Deshalb sind nicht nur die von ihm gewählten Beispiele exemplarisch für attraktive Texte, sondern auch seine eigenen Ausführungen. Ein Genuß, dieses Buch zu lesen.

Die Ausführungen sind für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen geeignet: gut lesbar und leicht verständlich erläutert Wolf Schneider die Grundsätze für einen guten Text. Meiner Ansicht nach ist dies eines der besten Bücher zum Thema "Schön-und-Verständlich-Schreiben".

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Steffi Cordes. Jahr: 2000


LINSE ist Teil des WWW-Angebots der 
Universität Duisburg-Essen, Campus Essen.