Sprachen lernen – Der Schlüssel zur richtigen Technik.

Kleinschroth, Robert

Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verlag 2000

Wie der Titel dieses Taschenbuches bereits verrät, wird auf 270 Seiten die Wissenschaft zum Erlernen einer Sprache detailliert aufgeschlüsselt und auch dem Laien der Sprachwissenschaft zugänglich gemacht. So wird im Vorwort erst einmal darauf hingewiesen, dass es sich Eltern von 20 bis 25 Prozent der Schüler in der Woche bis zu 35 Millionen Mark kosten lassen, um ihren Kindern Nachhilfeunterricht zu finanzieren. Dies sei, so Kleinschroth, eine Vergeudung an Zeit und Geld, da sich dies mit der richtigen Technik vermeiden ließe. Schließlich könne jeder eine fremde Sprache lernen; es komme nur auf die eigene, richtige und angemessene Methode an. Denn: "Heute wie früher finden junge und alte Schüler zu ihrer Methode leider noch immer über die drei schlechtesten Lehrmeister: Sie heißen Versuch, Irrtum und Zufall."(S.9).

Dieses Buch verspricht also erprobte Wege, bewährte Ratschläge, kreative Techniken und neue Tipps und Tricks aus Wissenschaft und Praxis. Ein besonderes Augenmerk gilt hierbei dem Computer der dank modernster Lernprogramme nun (nachdem er in der Erstauflage von 1992 noch keine bedeutende Rolle spielte) endlich auch zum effizienten Lernen einer Sprache beitragen kann. Durch Lernbiologie, Lernpsychologie, Sprachwissenschaft und Didaktik wird in den sieben Kapiteln Schritt für Schritt der gute Umgang mit dem Gehirn geübt und der Weg zum erfolgreichen Sprachenlernen geebnet.

Wer an dieser Stelle nun eine trockene Ansammlung altbewährter Untersuchungen und Lernmethoden erwartet, der irrt. Schließlich wird dem Leser alle paar Seiten ein Witz, Zitat oder Spruch in den in dem Buch behandelten Sprachen Englisch und Französisch untergeschoben.

Zunächst wird im ersten Kapitel mit dem Titel: "Machen Sie den Weg frei – bauen sie Vorurteile ab" an die vorherrschenden gesellschaftlichen Vorstellungen in Bezug auf das Erlernen einer Sprache, angeknüpft. Sie sind oft von der eigenen Schulzeit, Misserfolgserlebnissen oder Hemmungen beim Sprechen geprägt. Im nächsten Kapitel lernt man "Sein Gehirn verstehen". Wer kann schon von sich behaupten zu wissen, was in seinem Ultrakurzzeitgedächtnis, Kurzzeitgedächtnis oder Langzeitgedächtnis vorgeht oder dass und wie beide Gehirnhälften beschäftigt sein wollen?

Nach diesem Ausflug in die Biologie des Menschen stehen "Wortschatz lernen" (Kapitel 4) und "Wortschatz verwalten und behalten – das Handwerkszeug" (Kapitel 5) auf dem Programm. Hier stolpert man schon einmal über Begriffe wie "Mehrkanaliges Lernen" oder "Vokabelgräber". Nichtsdestotrotz werden viele verschiedene Varianten des Vokabellernens aufgeführt und bildlich dargestellt; was natürlich nicht heißt, dass man hier von wissenschaftlichen Statistiken verschont würde.

Im fünften Teil mit dem für die meisten unheilverkündeten Titel "Grammatik lernen" kommen wir endlich zum Kern der meisten sprachlichen Suizide. Im Englischen wird z.B. empfohlen, Past und Perfect "mit den Augen des Kameramannes" zu unterscheiden. Im Französischen wird das Problem mit Imperfekt oder Perfekt mit Hilfe der "Inneren Bühne" gelöst; das hört sich aber komplizierter an, als es ist.

In den letzten beiden Kapiteln "Hören, Lesen und Verstehen" und " Schreiben und Sprechen" geht der Autor nochmals detailliert auf Techniken ein, um den jeweiligen Bereich zu optimieren und auch die letzten Barrieren mit Hilfe von Taktiken zu überwinden. Last but not least bietet dieses Buch einen Anhang, in dem der weniger fremdsprachlich bewanderte Leser ein Vokabelregister in Englisch und Französisch zu Hilfe nehmen kann, und natürlich die verwendete Literatur nebst einem Register.

Alles in allem ist dieses Buch eine nette Abwechslung zu den normalerweise recht trockenen Fachbüchern. Über den Erfolg der angegebenen Methoden kann ich jedoch nichts sagen. Allerdings waren die eingeschobenen Witze eine echte Aufmunterung. By the time a man learns to read a women like a book, he’s too old to start a library.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Angela Krietemeyer. Jahr: 2003

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