Wissen und neue Medien
Schmitz, Ulrich; Wenzel, Horst (Hg.). (2003)
Berlin: Erich Schmidt
Die aktuellen tiefgreifenden Veränderungen unserer Kommunikationsmedien laden dazu ein, den gesellschaftlichen Austausch von Wissen auch in seiner historischen Dimension näher zu betrachten. Der Band kontrastiert und vergleicht Aspekte des Epochenwandels im Mittelalter und heute und liefert damit neue Einsichten in kulturgeschichtliche Brüche und Traditionen, die zu einem Verständnis gegenwärtiger Prozesse des Medienwandels beitragen. In zwölf Abhandlungen und Fallstudien zum Verhältnis von Bild, Schrift, Zahl und multimedialen Kommunikationsformen wird untersucht, in welcher Weise jeweils neue Medien im Mittelalter und in der Gegenwart die semiotische Darstellung und Weitergabe von Wissen beeinflussen.
Der Band mit zahlreichen (großenteils farbigen) Abbildungen enthält Beiträge von Elisabeth Cölfen, Hermann Cölfen, Wolfgang Coy, Ulrich Ernst, Jürgen Fröhlich, Werner Holly, Christina Lechtermann, Norbert H. Ott, Ulrich Schmitz, Angelika Storrer, Haiko Wandhoff, Horst Wenzel und Eva Lia Wyss.
Inhalt
| Ulrich Schmitz & Horst Wenzel |
Einleitung | 7 |
| Ulrich Ernst |
Die Kreuzgedichte des Hrabanus Maurus als multimediales Kunstwerk. Textualität - Ikonizität - Numeralität |
13 |
| Haiko Wandhoff |
Im virtuellen Raum des Textes. Bild, Schrift und Zahl in Chrétiens de Troyes "Erec et Enide" |
39 |
| Norbert H. Ott |
Text und Bild - Schrift und Zahl. Zum mehrdimensionalen Beziehungssystem zwischen Texten und Bildern in mittelalterlichen Handschriften |
57 |
| Christina Lechtermann |
Nebenwirkungen: Blick-Bewegungen vor der Perspektive |
93 |
| Horst Wenzel |
Schrift, Bild und Zahl im illustrierten Flugblatt |
113 |
| Jürgen Fröhlich |
Meßkram oder Die Einwanderung der Null in den modernen Schaltkreislauf über das spätmittelalterliche Regelungsbuch |
135 |
| Angalika Storrer & Eva Lia Wyss |
Pfeilzeichen: Formen und Funktionen in alten und neuen Medien |
159 |
| Hermann Cölfen |
Vom Dialog zum Geräusch. Über den Verlust der Sprache im Spektakel der Talkshows |
197 |
| Werner Holly |
"Ich bin ein
Berliner" und andere mediale Geschichts-Klischees. Multimodale Stereotypisierungen historischer Objekte in einem Fernsehjahrhundertrückblick |
215 |
| Ulrich Schmitz |
Text-Bild-Metamorphosen in Medien um 2000 |
241 |
| Elisabeth Cölfen |
Bilder über
Wörter: Bedeutungswandel illustriert. Sinn- und Sachzusammenhänge in
einer hypermedialen Forschungs- und Lernumgebung zur Etymologie und
historischen Semantik |
265 |
| Wolfgang Coy |
Von Gutenberg zu www.gutenberg.net |
281 |
| Autorenverzeichnis | 291 |
Einleitung
Ulrich Schmitz & Horst Wenzel
Wenn die Herausforderungen, die mit der Durchsetzung neuer
Kommunikationsmedien entstehen, nicht mehr ignoriert werden können,
dann wird die Relation von alten und neuen Kommunikationsformen zum
Gegenstand kontrovers geführter Auseinandersetzungen, aber auch zum
Anlaß historischer Vergewisserung und Neubestimmung. Das gilt schon für
Platon, der im ,Phaidros‘ die Vor- und Nachteile von Memorialkultur und
Schriftkultur gegeneinander abwägt [1], ebenso für Luthers Briefe und
Tischreden in der Zeit des frühen Buchdrucks [2] und gegenwärtig wieder
in der Hochkonjunktur einer Mediendebatte, die den Übergang von der
Gutenberggesellschaft zur Netzwerkgesellschaft begleitet.
Aus der inneren Dynamik der Forschung im Übergang zu einem ikonisch
bestimmten Zeitalter resultiert die zunehmende Öffnung der
Fächergrenzen zwischen Literaturgeschichte und Kunstgeschichte [3],
Linguistik und Informatik [4], die auch in der Mediävistik eine
wichtige Rolle spielt. Schon McLuhan verweist darauf, daß dem visuellen
Erscheinen des Sprechers oder Sängers, der seine Worte vorträgt oder
vorsingt, die Verbindung von handschriftlichen Texten mit
Autorenbildern entspricht, die den Zusammenhang von Hören und Sehen,
von Stimme und Körper zeichenhaft in Wort und Bild vergegenwärtigen.
Heute verbindet die technisch vermittelte Audiovisualität auf der
Grundlage eines mathematisch codierten Prätextes (matrix) Bilder und
Schriften, Noten und Zahlen zu Ikonotexten (icontexts), die im Rahmen
einer kulturwissenschaftlich erweiterten Fachwissenschaft noch
weitgehend zu erschließen wären. Fragen nach dem Bildbegriff, nach der
Sprache in neuen Medien und den darin verwendeten (diakritischen)
Zeichen, nach Text und Hypertext, dem technischen Layout und seinen
Visualisierungsstrategien sind nicht mehr isoliert von einem der drei
Fachteile Germanistische Mediävistik, Neuere
Literaturwissenschaft, Linguistik und auch nicht allein durch die
Germanistik zu beantworten. Die Relativierung der alten Fachgrenzen und
ihre kulturwissenschaftliche Öffnung ermöglichen die Beobachtung nicht
nur der gegenwärtigen medialen Veränderungen, sondern auch die
Rekonstruktion ihrer Vorgeschichte.
Höchst komplexe Kombinationen von Bild, Schrift und Zahl, nichtlineare
Texte, das Ineinander von Bild und Text begegnen uns schon in der
frühen Manuskriptkultur. Die Bücher der frühen Neuzeit setzen diese
Kultur nicht nur die fort, sondern gehen technologische Kopplungen mit
Zeichnungen, Landkarten, Plänen und schließlich Schaltplänen ein.
Dieser ,alphanumerische Verbund’, so Friedrich Kittler, habe es
langfristig vermocht, “sein eigenes Medium zu überschreiten und unsere
Kultur aus der Gutenberggalaxis herauszuschleudern”. [5] Die
Turingmaschine, das grundlegende Prinzip der Computerschaltung, ersetzt
Gutenbergs Druckerpresse: Ziffern für Buchstaben, Ziffern für Zahlen,
Ziffern für Noten und schließlich auch und gerade für Befehle. Mit
dieser Vereinheitlichung aller Zeichen in einer durchgängig gleichen
binären “Schrift” [6], also mit der Einebnung “aller vormals
unterschiedenen Codesysteme hat die Hochtechnologie von heute eine
lange Geschichte vollendet und beendet” [7] - eine Geschichte, die aber
noch zu schreiben bleibt.
Aufgrund der Überlegung, daß die traditionelle Dreiteilung der
Germanistik obsolet geworden ist, daß auch Linguistik und
Literaturwissenschaft institutionell in einer Trennung verharren, die
vor den Herausforderungen der Gegenwart längst problematisch geworden
ist, haben wir das Unerprobte ausprobiert, nämlich Altgermanisten,
Linguisten und Informatiker in einer Tagung zusammenzuführen, die nach
dem Zusammenhang von Schrift, Bild und Zahl in alten und in neuen
Medien fragen wollte. Diese Tagung fand unter dem Titel “Wissen und
neue Medien im Mittelalter und heute: Bilder und Zeichen von 800 bis
2000” vom 16. bis 18. November 2000 im Kulturwissenschaftlichen
Institut des Landes Nordrhein-Westfalen in Essen statt. Die
Zusammenkunft war als Experiment gedacht. Doch die Ergiebigkeit der
Diskussion, die wechselseitige Wahrnehmung im Hinblick darauf, wieviel
der aktuelle Medienumbruch mit dem Übergang zur Manuskriptkultur,
wieviel der Anfang mit dem Ende der Gutenberg-Galaxis zu tun hat, ließ
bereits die Tagung selbst zu einem besonderen Erlebnis für alle
Teilnehmer werden und führte schließlich zu der Überzeugung, die
Ergebnisse auch einer weiteren Fachöffentlichkeit vorlegen zu können.
Der Band wird eröffnet durch Ulrich Ernst mit seinem Beitrag zu
Hrabanus Maurus, der in der Karolingerzeit ein umfangreiches,
hochkomplexes und ästhetisch anspruchsvolles Oeuvre erstellt hat. In
seinem Gedichtzyklus, der unter dem Namen Liber de laudibus s. crucis
bekannt geworden ist, verbindet er Wort und Bild, die beiden
wichtigsten Medien christlicher Glaubensverkündigung, mit symbolisch
weitreichenden numerologischen Konstruktionen und Verweisformen. Die
Linearität des Textes wird vielfach gebrochen und aufgelöst, die
Oberfläche des Textbildes strukturiert durch Buchstaben, Bilder und
Ziffern, die über sich hinausweisen auf eine höhere Bedeutungsebene,
aber auch schon ausgezählt und ausgewogen sind im Sinne des
Ecclesiasticus, wonach Gott sich nicht allein im Worte offenbart,
sondern die Welt auch eingerichtet hat nach Maß, Zahl und Gewicht.
Anhand des literarischen Motivs der Kunstbeschreibung in Chrétiens de
Trois Erec et Eneide arbeitet Haiko Wandhoff heraus, auf welche Weise
der mittelalterliche Roman darauf abzielt, räumlich-visuelle Strukturen
auszubilden und so die Linearität seiner sprachlichen Verfaßtheit zu
transzendieren. Mit der Schilderung von Bild- und Bauwerken errichtet
der mittelalterliche Dichter Schauräume in seinem Text, die dem Leser
Techniken zu einer nichtlinearen Wahrnehmung und kognitiven
Weiterverarbeitung des Wortkunstwerks anbieten. Zahlen haben dabei eine
signifikante Bedeutung. Ausgehend von diesem Befund wird diskutiert, ob
und inwieweit bereits in den ,virtuellen Räumen‘ der älteren
Literaturen Formen der Imaginationssteuerung zu sehen sind, wie sie
heute gemeinhin als Errungenschaft des Computers gelten.
Christina Lechtermann fragt in ihrem Beitrag danach, wie sich
Wahrnehmungserfahrungen, hier speziell die der visuellen Wahrnehmung,
in dem für die höfische Gesellschaft neuen, skriptographischen Medium
übermitteln lassen. Am Beispiel der Âlise-Szene im Willehalm Wolframs
von Eschenbach wird dabei zunächst ermittelt, welche Aspekte nach
mittelalterlicher Vorstellung der Augenwahrnehmung eignen, der ja, im
Sinne der Emissionstheorie, durchaus taktile Charakterzüge
zugeschrieben wurden. Vor allem die affektive Wirksamkeit der
Blickwahrnehmung wird dabei immer wieder betont und tritt zum Beispiel
in der Beschreibung der Âlise besonders hervor. Im zweiten Teil des
Beitrags versucht die Verfasserin zu zeigen, durch welche poetischen
und rhetorischen Strategien dem Rezipienten des Textes diese
,Nebenwirkungen der Wahrnehmung‘ nicht nur vorgeführt, sondern zur
Übernahme angeboten werden.
Im Zusammenwirken von Bild, Schrift und Zahl, so lautet die These von
Norbert Ott, wurde im Mittelalter die Welt erkannt, beschrieben und
interpretiert. Erst als im Verschriftlichungsprozeß das Textmedium die
alleinige Deutungshoheit übernahm, ist dieses multimediale Denk- und
Darstellungsmodell ,überschrieben‘ worden, das mit seiner Möglichkeit
zur mehrdimensionalen Verknüpfung und seiner nichtlinearen Struktur
vieles von dem vorweggenommen hat, was als alleinige Errungenschaft
der elektronischen Medienkultur gilt. Auf der Grundlage von
Bilderhandschriften und Inkunabeln demonstriert er, daß im späten
Mittelalter und in der frühen Neuzeit weder dem Text noch dem Bild eine
Priorität über das jeweils andere Medium zukommt, daß vielmehr beide
aus der gleichen Denkform resultieren, bei der die materiale Welt als
Träger symbolischer Beziehungen erschlossen wird, während die
spirituelle Welt sich in symbolischen Zeichen konkretisiert. Bild,
Schrift und Zahl erweisen sich dabei als komplementäre
Codierungsformen, die sich wechselseitig spiegeln, steigern und
ergänzen.
Die prähistorische Entriegelung der Hand für technische Fertigkeiten
verbindet sich mit der Freiwerdung der Hand für gestische
Kommunikation, die Koordination von Hand und Auge fungiert seither als
Motor menschlicher Kultur. Der Beitrag von Horst Wenzel fragt nach der
Handgebärde in der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht und
untersucht die mediale Repräsentation der Hand als Indexhand, Schauhand
und Zählhand in den Medienumbrüchen vom Mittelalter bis zur Neuzeit.
Weil die Hand zugleich in der Matrix der technischen Routinen und in
der Matrix symbolischer Konfigurationen (techné und poiesis) agiert,
sind Greifen und Begreifen direkt aufeinander bezogen. Dementsprechend
ist die mediale Repräsentation der Hand als Technik der
Verfügbarmachung zu beschreiben. Dabei geht es speziell um die
Verbindung von Text, Bild und Zahl in frühen Flugblättern der
Gutenberg-Zeit, um die Relation von Text und Hypertext, die das neue
Medium Buchdruck mit der experimentellen Oberflächengestaltung im
digitalen Medium verbinden: “The experience of our own new technology
has enabled us to re-imagine the impact of new technologies in the
past.” [8].
Jürgen Fröhlich betrachtet beide Enden der Gutenberg-Galaxis, indem er
Flugblatt und Internet aufeinander bezieht und als Phänomene medialer
Umbruchzeiten deutet. Ihn interessieren vor allem Parallelen und
Verschiebungen des aktuellen Medienumbruchs vor dem Hintergrund des
spätmittelalterlichen Medienwechsels. Ausgehend von einem
antisemitischen Flugblatt der frühen Neuzeit umreißt er dabei eine
kurze europäische Kulturgeschichte der Zahl ,Null‘ anhand ihrer
materiell-medialen Träger: Rechenbrett mit Zählsteinen,
skriptographische Arithmetik, digitaler Binärcode. Dabei versucht er zu
zeigen, wie sich verschiedene Diskurse um diese ,neue‘ Zahl ranken: ein
merkantiler, ein mathematischer und ein symbolischer Diskurs. Obwohl
der merkantile und der mathematisch-wissenschaftliche Diskurs zu
bestimmenden Faktoren der digitalen Gegenwart werden, bleibt auch der
symbolische Diskurs weiterhin in hohem Maße aktuell.
Angelika Storrer und Eva Lia Wyss verfolgen den Flug der allseits
verbreiteten -> Pfeilzeichen durch die Jahrhunderte. An zahlreichen
Beispielen zeigen sie, wie neue Funktionen und Bedeutungen auf der
Grundlage der älteren entstehen, so daß solche Zeichen immer
komplexer, vielförmiger und vieldeutiger werden. Ursprünglich Teil
einer Waffe, bleibt der Pfeil auch im Verlauf seiner semiotischen
Karriere stets von Handlungskontexten abhängig, wird zugleich aber auch
immer mehr den spezifischen Bedingungen des jeweiligen Mediums
unterworfen. Pfeile in neuen Medien schließlich reaktivieren viele der
kulturell tradierten Symbolwerte und dehnen ihre erstaunliche
Anpassungsfähigkeit so sehr aus, daß bei mangelnder Sorgfalt leicht
auch Mißverständnisse entstehen können.
Audiovisuelle Medien im 20. Jahrhundert erweitern hergebrachte
Text-Bild-Verhältnisse und strukturieren sie neu. Insbesondere
Fernsehen macht stehende, vor allem aber bewegte Bilder sowie
gleichzeitig gezeigten, vor allem aber gesprochenen Text praktisch
grenzenloser technischer Manipulation, massenhafter Reproduktion und
flüchtiger Veralltäglichung zugänglich. Hermann Cölfen diagnostiziert
deren Auswirkungen am Beispiel der Talkshows: das zunächst dialogisch
ausgerichtete Gespräch habe sich im Laufe der Jahrzehnte immer mehr zu
einem multimodalen Unterhaltungs-Spektakel gewandelt, das von
kurzweiligen und vordergründigen Effekten lebe.
Multimodalität kann auch bei Sendungen mit seriöserem Anspruch Kurzweil
und Verkürzung nach sich ziehen, insbesondere wenn unterschiedlichste
Informationen in knapper Zeit dargeboten werden. Wenn in vierzig
Fernseh-Minuten an herausragende Ereignisse des 20. Jahrhunderts
erinnert werden soll und diese darin sogar noch in einer achtzig
Sekunden dauernden Collage zusammengefaßt werden, so scheint dies nur
durch Rückgriff auf visuelle, akustische und verbale Stereotype
möglich, die dem massenmedial geprägten Geschichtsbewußtsein zur
Verfügung stehen und die durch jeden neuen Abruf selbst bestätigt und
verfestigt werden. Werner Holly legt derartige mediale
Geschichtsklischees in einem Fernsehjahrhundertrückblick in
akribischer Kleinarbeit frei und deutet ihr hyperbolisches Pathos als
Kitsch, der von medialen Bedingungen zwar nahegelegt, aber keineswegs
erzwungen wird.
Ebenfalls an konkreten Beispielen wendet sich Ulrich Schmitz
Schrift-Bild-Gefügen zu, wie sie in vielerlei heute allgegenwärtigen
Medien die semiotische Erfahrung des modernen Alltags prägen. Aufgrund
kultureller und technischer Bedingungen gehen Bilder und Texte, so wird
beobachtet, immer engere und vielfältigere Koalitionen ein, in denen
die gattungsspezifischen Leistungsmerkmale von Text und Bild einander
herausfordern und synergetisch ergänzen. So entstehen neuartige
symbolische Formen, deren innere Spannungen die Komplexität moderner
Lebensverhältnisse oft angemessener zum Ausdruck bringen als die meist
einfacheren traditionellen Verhältnisse zwischen Texten und Bildern.
Elisabeth Cölfen komponiert Text-Bild-Zusammenstellungen selbst. In
einem hypermedialen Projekt zeigt sie exemplarisch, wie etymologisches
und historisch-semantisches Wissen mit neuen Medien besser dargestellt
und vermittelt werden kann als mit traditionellen Medien wie etwa
gedruckten Wörterbüchern und Monographien. Insbesondere geht es ihr
darum, vernetztes Wissen sachgerecht so zu modellieren, daß Nutzer
damit motivierter, schneller, angemessener, aktiver und bewußter
umgehen als in alten Medien. Der Aufsatz stellt das Konzept und den
Prototypen einer neuartigen Lernumgebung zur Diskussion, deren weiterer
Ausbau im Internet verfolgt werden kann.
Abschließend schlägt Wolfgang Coy noch einmal den mediengeschichtlichen
Bogen vom Buchdruck bis zur Gegenwart und erörtert dabei verschiedene
kulturelle Aspekte der aufeinander folgenden Medienrevolutionen. Alle
literarischen, ästhetischen, semiotischen, sprachlichen und allgemein
kulturellen Erzeugnisse und Entwicklungen, die im Rahmen des
vorliegenden Bandes behandelt wurden, sind, wie sich gezeigt hat, eng
mit medientechnischen Umwälzungen verbunden. In den nächsten
Jahrzehnten, so Coys Prognose, ist damit zu rechnen, daß die
zentralisierten Massenmedien von offenen, globalen Rechnernetzen
abgelöst werden: Wir gehen einer individualisierten Massengesellschaft
entgegen.
Die vorliegende Veröffentlichung gibt uns die Möglichkeit, individuell
entwickelte und nach persönlichen Gesprächen und Diskussionen
überarbeitete Analysen, Deutungen und Denkanstöße einem breiteren
Publikum vorzulegen. Dankbar nutzen wir die Möglichkeiten des alten,
aber immer noch jungen Mediums Buch. Informationen und möglicherweise
nachfolgende Diskussionen zu diesem Band stehen im Internet unter
<www.linse.uni-essen.de>.
Die Tagung und damit auch dieses Buch wären nicht zustande gekommen
ohne Frau Hiltburg Sanders, die zeitlose Brücken zwischen Berlin und
Essen schlug und immer zur Stelle war, wenn es irgendwo an irgendetwas
mangelte. In jeder Phase des Projektes konnten wir die Infrastruktur
der Universität Essen nutzen. Das Kulturwissenschaftliche
Institut
des
Landes Nordrhein-Westfalen stellte uns Tagungsräumlichkeiten zur
Verfügung und half bei der Betreuung der Gäste. Die Fritz Thyssen
Stiftung trug die Reisekosten und unterstützte den vorliegenden Band
mit einem großzügigen Druckkostenzuschuß, der vor allem die farbige
Gestaltung überhaupt erst ermöglichte. Peter Feller übernahm das
aufwendige Layout dieses Bandes, der Erich Schmidt Verlag die
verlegerische Betreuung. Ihnen allen danken wir sehr herzlich für die
engagierte Hilfe.
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- [1] Wolfgang Raible: Vom Text und seinen vielen Vätern oder: Hermeneutik als Korrelat der Schriftkultur. In: Aleida Assmann/ Jan Assmann/ Christof Hardmeier (Hg.): Schrift und Gedächtnis. Beiträge zur Archäologie der literarischen Kommunikation I. München 1983, S. 20-23.
- [2] Horst Wenzel: Luthers Briefe im Medienwechsel von der Manuskriptkultur zum Buchdruck. In: Horst Wenzel/ Wilfried Seipel/ Gotthart Wunberg (Hg.): Audiovisualität vor und nach Gutenberg. Zur Kulturgeschichte der medialen Umbrüche. Schriften des Kunsthistorischen Museums Bd 6. Wien 2001, S. 185-201.
- [3] Zur ,Wiederkehr der Bilder‘ vgl. Gottfried Böhm (Hg.): Was ist ein Bild? München 1995. Hans Belting: Bild und Kult. Eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst. München 1990.
- [4] Vgl. etwa Kai-Uwe Carstensen/ Christian Ebert/ Cornelia Endriss/ Susanne Jekat/ Rolf Klabunde/ Hagen Langer (Hg.): Computerlinguistik und Sprachtechnologie. Eine Einführung. Heidelberg, Berlin 2001.
- [5] Friedrich Kittler: Buchstaben – Zahlen – Codes. In: Wenzel u.a. (Anm. 2), S. 47.
- [6] Sybille Krämer: Sprache und Schrift oder: Ist Schrift verschriftete Sprache? In: Zeitschrift für Sprachwissen–schaft 15 (1996), S. 92-112; hier S. 109.
- [7] Friedrich Kittler: Buchstaben – Zahlen – Codes. In: Wenzel u.a. (Anm. 2), S. 48.
- [8] Neil Rhodes and Jonathan Sawday: Introduction. Paperworlds: Imagining the Renaissance Computer. In: Dies., The Renaissance Computer. Knowledge Technology in the First Age of Print. London and New York 2000, S. 1-17; hier S. 2.